Erste Hilfe bei Narkosezwischenfällen
Stand: Januar 2026
- Martin Dittmar, Impulsbetrieb Tierwohl
- Prof. Dr. Isabell Henning-Pauka, Tierärztliche Hochschule Hannover
- Prof. Dr. Johannes Kauffold, Universität Leipzig
- Dr. Sandra Löbert, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
- Jochen Meyer, Impulsbetrieb Tierwohl
- Dr. Hendrik Niehoff, LUFA Nord-West
- Prof. Dr. Imke Traulsen, Universität Kiel
- Dr. Maren Gerlach, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
- Imke Albers, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
- Marie Lamoth, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen
Seit Anfang 2021 ist die betäubungslose Kastration männlicher Saugferkel in Deutschland verboten. Deutsche Schweinehalter müssen sich seitdem entscheiden, ob sie intakte Eber mästen, die männlichen Tiere gegen die Ausbildung geschlechtsspezifischer Geruchskomponenten impfen oder eine chirurgische Kastration unter Schmerzausschaltung durchführen wollen. Zwei Verfahren erfüllen die Anforderungen, um den schmerzhaften Eingriff in Narkose durchführen zu können: Zum einen kann der Hoftierarzt die Saugferkel mittels Injektion in Narkose legen. Zum anderen stellt die Inhalationsnarkose mit Isofluran eine Möglichkeit dar, die der Landwirt selbst durchführen darf, wenn er über die entsprechende Sachkunde verfügt.
Trotz sachgerechter Durchführung der Isoflurannarkose können Probleme auftreten, z.B. wenn technische Störungen zu einer Fehldosierung von Isofluran führen. Hört das Ferkel auf, selbstständig zu atmen, oder zeigt es Kreislaufprobleme wie z.B. Verfärbung der Haut, zählt jede Sekunde! Die zügige Entnahme aus der Narkosemaske und schnell eingeleitete Wiederbelebungsmaßnahmen können dann Leben retten!
Um in solchen Fällen dem Landwirt eine Handlungshilfe bereit zu stellen, hat das Tierwohlkompetenzzentrum Schwein im Netzwerk Fokus Tierwohl in Kooperation mit dem Projekt „Isoflurannarkose-Kompetenzzentrum“, gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, ein Stallposter zu Erste-Hilfe-Maßnahmen beim Saugferkel erstellt.
Läuft die Durchführung der Isoflurannarkose nicht optimal, sollte immer auch das kostenlose Beratungs- und Unterstützungsangebot des Isoflurannarkose-Kompetenzzentrum hinzugezogen werden. Die kostenlose Beratungsstelle wird von der LMU München sowie den Schweinegesundheitsdiensten der Landwirtschaftskammer NRW und der LUFA Nord-West betreut.