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Exkursion der Impulsbetriebe Rind nach Baden-Württemberg und in die Schweiz

Die Impulsbetriebe Rind des Netzwerk Fokus Tierwohl trafen sich Mitte Oktober in Baden-Württemberg und der Schweiz, um im Rahmen einer Studienreise Impulse für die Netzwerkarbeit zu sammeln.

Am 14. Oktober fanden sich alle am Start- und Endpunkt der Exkursion (Biohof Renz, Impulsbetrieb) in Baden-Württemberg ein, um gemeinsam mit einem Reisebus zum Impulsbetrieb Sutterhof nach Hohentengen-Lienheim aufzubrechen, einem Milchviehbetrieb mit ca. 50 Milchkühen und Melkroboter, der auf genetische Hornlosigkeit züchtet, Ackerbau betreibt und sich als Lernort Bauernhof mit einem breiten Programm für einen stärkeren Bezug der jüngeren Generationen zur Landwirtschaft einsetzt. Erhöhte Fressplätze, Ventilatoren, ein automatischer Futterschieber und eine Wasser-Berieselungsanlage an heißen Tagen, sorgen für viel Kuhkomfort. Nachdem auch noch die relative neue, kleine Wagyu-Herde in den Blick genommen wurde, sorgten Anna und Franz Sutter mit Schweizer Raclette und einem traditionellen Schweizer Kartoffelgericht „Gschwellti“ für eine würdige Einstimmung auf die kommenden Tage in der Ostschweiz.

Am 15. Oktober war die Gruppe vormittags auf dem AgroVet Strickhof in Lindau- einem großen Ausbildungs- und Forschungsbetrieb, der in die Agrarwissenschaftliche und Veterinärmedizinische universitäre Bildung der ETH Zürich und der Universität Zürich eingebunden ist zu Gast. Matthias Schick, Bereichsleitung im Bereich Tierhaltung und Milchwirtschaft, stellte den Betrieb vor und führte über das Gelände, wo eine Mitarbeiterin intensive Einblicke in das Management in der Kälberhaltung gab. Die Besichtigung der 2017 fertiggestellten Versuchsställe - mit Fokus auf das Thema Emissionsminderung und als Höhepunkt die sogenannten „Klimakammern“, in denen die Treibhausgasemissionen von Rindern gemessen werden – hinterließen einen bleibenden Eindruck bei allen Mitreisenden, was sich noch in den regen Diskussionen beim gemeinsamen Mittagessen zeigte...

Am Nachmittag stand der Bauernhof Notkersegg in St. Gallen auf dem Programm, wo Betriebsleiterin Petra Fäh mit großer Offenheit über den Betrieb führte und zur Schlachtung im Haltungsbetrieb mit angeschlossener Direktvermarktung berichtete. Der Betrieb hat zwei Hof nahe Verkaufsautomaten für verschiedene Produkte (Fleisch, Käse, Apfelsaft, Eier,…) und schlachtet zusätzlich „nach Bedarf“. Wenn also genug KundInnen ein Fleischpaket vorbestellt haben, wird ein Rind geschlachtet. Die Fleischpakete können dann an einem bestimmten Tag abgeholt werden. Eine kleine Kostprobe in Form von „Mostbröckli“, einer Schweizer Fleischspezialität, gab es im Anschluss an die Führung. Die Gruppe hatte dann noch kurz Zeit für einen Spaziergang, wo von einem Höhenzug aus die zeitgleich laufende Landwirtschafts- und Ernährungsmesse „OLMA“ zumindest aus der Ferne akustisch bewundert werden konnte. 

Am Vormittag des 16. Oktober bekam die Gruppe dann einen direkten Einblick in die Produktion bei der Züger Frischkäse AG. Markus Züger persönlich empfing die Gruppe in den Räumlichkeiten des angegliederten Verkaufsshops und stellte anschließend im Konferenzraum die Unternehmensgeschichte und das -konzept vor. Nach dem Umkleiden und dem Durchlaufen der Hygieneschleuse ging es durch die Produktion. So konnten wir beispielsweise live mitverfolgen, wie aus der angelieferten Milch Mozzarella und andere Milchprodukte hergestellt werden, die Verpackung der Produkte erfolgt und schlussendlich durfte ein Blick in das beeindruckende automatische Hochregallager geworfen werden. Den Abschluss machte ein Besuch in der betriebseigenen Werkstatt, die es der Molkerei ermöglicht, die Maschinen für die Produktion individuell zu konfektionieren und damit die unterschiedlichsten Produkte auf der gleiche Produktionslinie zu erzeugen. Eine Mozzarella-Kostprobe in Form eines Toppings des Vorspeisensalates beim gemeinsamen Mittagessen rundete den Besuch ab.

Am Nachmittag ging es zum Tierwohlstall von Mathias Roth in der Nähe von Kesswil. Mit Blick auf den Bodensee begrüßte der Betriebsleiter die Gruppe. Auch wenn 200 Milchkühen auf dem Betrieb stehen, werden neben dem Ackerbau noch Obstplantagen bewirtschaftet. Gestartet wurde in den Kälberställen, die zu reichlich Rückfragen führten, da der Betrieb lange an einem guten Konzept getüftelt hat. Der Milchviehstall verfügt über sechs Liegeboxenreihen mit außenliegenden Futtertischen, breite Laufgänge mit erhöhtem Fressplatz, Fressplatzabtrennungen, Melkroboter und eine automatische Strohpellet-Einstreuanlage. Falls es im licht- und luftdurchfluteten Stall im Sommer zu heiß wird, sorgt eine Schlauchlüftung für Abkühlung. Das Management der Herde wurde mit dem Betriebsleiter angeregt diskutiert und neue Impulse aufgenommen. Der Betriebsleiter war offen und ehrlich, sowohl was die positiven Entwicklungen des eigenen Betriebes als auch die Herausforderungen anging. Mit vielen Eindrücken im Gepäck machte sich die Gruppe dann auf die Rückfahrt nach Deutschland.

Der letzte Programmpunkt der Exkursion fand am 17. Oktober auf dem Impulsbetrieb Biohof Renz statt. Hier lag der Fokus auf der baulichen Entwicklung des Betriebes und den damit verbundenen technischen Lösungen wie beispielsweise der Kombination aus AMS und Weidegang mit einem zentralen Weideselektionstor, welches es den Kühen ermöglicht, nach dem Melken bzw. bei noch fehlendem Melkanrecht auf die Weide zu gehen. Der intensive, fachliche Austausch war auch geprägt von Fütterungsfragen, Nachhaltigkeitsthemen und dem Thema Verbraucherkommunikation. Zum Abschluss der Exkursion gab es ein stärkendes Mittagessen, bei welchem die Teilnehmenden das in den letzten Tagen Erlebte revue-passieren lassen konnten und sich weiter austauschten.

Fazit

Bei allen besuchten Betrieben wurde die Exkursionsgruppe herzlich willkommen geheißen und es gab stets zahlreiche Nachfragen und angeregte Diskussionen. Die Exkursion bot interessante Einblicke in unterschiedliche Betriebe der Milchviehhaltung, Forschung als auch Milchverarbeitung. Besonders die Diskussionen und der fachliche Austausch unter den Teilnehmenden waren sehr bereichernd. Die Freude auf ein baldiges Wiedersehen der Gruppe wurde bei allen Mitreisenden deutlich– ein neuer Termin steht bereits, dann wieder im gewohnten Rahmen eines Netzwerktreffens.

Autorin: Paulina Kluger, FiBl Deutschland e.V.