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Auf die Klauengesundheit kommt es an!

Online Seminare der LWK Niedersachsen informieren über Einflussmöglichkeiten auf die Klauengesundheit

Die Klauengesundheit spielt eine entscheidende Rolle für das Wohlbefinden und die Leistung unserer Rinder. Nach wie vor sind Klauenkrankheiten der dritthäufigste Abgangsgrund von Milchkühen. Zudem ist jeder Lahmheitsfall durch eine reduzierte Milchleistung, erhöhte Remontierungsraten, Mehrarbeit durch Behandlungsaufwand und Tierarztkosten bis hin zu verlängerten Zwischenkalbezeiten auch ein nicht zu unterschätzendes finanzielles Problem. Über die Fütterung, die Klauenpflege und eine tiergerechte Haltung hat der Halter vielfältige Einflussmöglichkeiten auf die Klauengesundheit seiner Herde.

Um Milchviehhalter in Hinblick auf diese Thematik fit zu machen, fand im Rahmen des Netzwerks Fokus Tierwohl ein Online-Seminar an der LWK Niedersachsen statt. Als Referenten waren Dr. Jörg Willig, Rindergesundheitsdienst der LWK Niedersachsen, und Klaus Hermann Haß, selbstständiger Klauenpfleger, geladen. Sie berichteten über die Organisation der Funktionellen Klauenpflege und die wichtigsten Therapie- und Prophylaxemaßnahmen bei Klauenerkrankungen. Den Einstieg machte Klaus Hermann Haß. Der Klauenpfleger aus Schleswig-Holstein verdeutlichte zunächst, dass das Ziel der funktionellen Klauenpflege langfristig gesunde, schmerzfreie, tragfähige und funktionierende Klauen ist. Warum das Klauenschneiden bei unseren Milchkühen überhaupt notwendig ist, begründet er damit, dass die Tiere vorrangig auf harten, künstlichen Böden wie Beton gehalten werden und sich nicht oder nur wenig auf natürlich gewachsenem Boden bewegen.

5-Punkte Schema der Klauenpflege

Danach gab der Referent den Zuschauern einen Einblick in das 5-Punkte-Schema der Klauenpflege. Ausgangspunkt ist die Maßklaue. Diese findet sich an den Vordergliedmaßen außen und an den Hintergliedmaßen innen. Sie wird gemessen und beim Holsteinrind entsprechend auf ca. 7,5 cm gekürzt, anschließend wird die Auftrittsfläche bearbeitet (Sohlendicke mindestens 5 mm). Danach wird, wenn möglich, die Belastungsklaue der Maßklaue angeglichen. Folgend wird Modell geschnitten, auch Hohlkehlung genannt. Hierbei wird das Horn um den Klauenzwischenspalt entfernt, um diesen u.a. besser zu belüften. Der vierte Schritt sieht die Versorgung von Farbabweichungen und Defekten vor. Hierzu kann z.B. ein Entlastungsschnitt im hinteren Drittel der Klaue durchgeführt werden. Abgerundet wird das 5-Punkte-Schema durch Abschlussarbeiten wie das Kürzen der Afterklauen oder das Entfernen von losem Horn im hinteren Klauenbereich. Bei den Arbeiten rund um die Klauenpflege wird unterschieden zwischen präventiver Arbeit, die spätestens alle sechs Monate durchgeführt werden sollte und kurativer Arbeit, die immer im Bedarfsfall durchgeführt werden muss. Entscheidend sind dabei die Kontrolle und Nachsorge nach vier bis sechs Wochen. Besteht durch die Klauenpflege allein keine Aussicht auf Heilung muss ein Tierarzt hinzugezogen werden.

Kontrollpunkte für Präventionsmaßnahmen

Im Anschluss an den ersten Vortrag übernahm Dr. Jörg Willig das digitale Rednerpult. In Ergänzung an den vorangegangenen Vortrag betonte er noch einmal, wie wichtig die Klauengesundheit der Herde ist. Jeder zweite Abgang stünde demnach zumindest in einem indirekten Zusammenhang mit Klauenproblemen. Als Ursache kommt ein komplexes Geflecht aus möglichen Auslösern in Betracht. Mindestens genauso umfangreich sind auch die Kontrollpunkte für Präventionsmaßnahmen. Beispielsweise begünstigen harte Laufgänge oder lange Standzeiten auf Grund von schlechtem Boxenmanagement externe Traumata. Ein weiteres Beispiel: Die Hormonumstellung nach der Kalbung oder auch Stoffwechselstörungen auf Grund nicht angepasster Fütterung schädigen die Klauenlederhaut. Letztendlich hat auch die Genetik Einfluss auf die Klauengesundheit.

Im weiteren Verlauf nannte der Referent noch einen 5-Punkte-Plan zur Kontrolle der Mortellaro`schen Krankheit. Dieser beinhaltet die externe und interne Biosicherheit, die frühe Erkennung und Behandlung, die Reduktion des Keimdrucks an der Klaue und das Festlegen und Überwachen von Zielen. Als Fazit fasst Dr. Jörg Willig zusammen: Erfolgreiches Klauengesundheitsmanagement erfordert es, Lahmheiten immer als Notfall anzusehen und funktionelle Klauenpflege durch einen ausgebildeten Fachmann ausführen zu lassen. Hinzu kommen die Dokumentation und Auswertung der Befunde sowie letztendlich die Identifikation und Bekämpfung von Problemzonen.

Synergieeffekte zwischen Emissionsminderungsmaßnahmen und Klauengesundheit

In einem zweiten Onlien Seminar referierte Prof. Dr. Barbara Benz von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen-Geislingen zu den Synergieeffekten zwischen Emissionsminderungsmaßnahmen im Kuhstall und der Klauengesundheit. Dafür brachte sie praktische Eindrücke aus innovativen EIP Rinderställen mit. Die Expertin erklärte: Ammoniakemissionen entstehen aus Harn und Kot, z.B. auf verschmutzten Laufflächen. Gleichzeitig greifen Harn und Kot das Klauenhorn an, wodurch das Risiko für Klauenerkrankungen ansteigt. Die logische Konsequenz ist laut Frau Prof. Benz, dass Emissionsminderungsmaßnahmen, die eine trockene Lauffläche fördern, auch die Klauengesundheit fördern. Praktische Maßnahmen, die beim Stallbau beachtet, aber auch später noch nachgerüstet werden können, sind beispielsweise harnableitende Laufflächenausführungen mit einer angepassten Entmistungstechnik, z.B. eine hohe Schieberfrequenz. Eine besondere Maßnahme stellt die Einrichtung von erhöhten Fressständen dar. Dadurch werden Risikofaktoren für Klauenerkrankungen reduziert, und die Schieberfrequenz lässt sich weiter erhöhen ohne die fressenden Kühe zu stören oder gar zu verletzen.

Bedeutung der Liegeboxengestaltung für die Klauengesundheit

Darüber hinaus ging die Referentin auf die besondere Rolle der Liegeboxengestaltung für die Gesundheit der Klauen ein. Wird die Kuh durch die Steuerelemente behindert, führt dies automatisch zu verkürzten Liegezeiten, was wiederum die Klauen zusätzlich belastet. Auch der Stehkomfort in den Boxen sollte nicht außer Acht gelassen werden. Wird die Kuh nicht durch das Nackenrohr daran gehindert, kann sie mit allen vier Füßen in der Box stehen und steht damit weich und trocken. Laut der Expertin koten die Tiere auch weniger in den Liegebereich, wenn die Boxenmaße angepasst sind und keine Gefahr besteht, dass sich die Tiere beim Hinlegen oder Aufstehen durch die Bügel verletzen bzw. mit Trennbügeln in schmerzhaften Kontakt kommen. Auch unbequeme Bugbegrenzungen stören das Tier bei entspannten Liegepositionen mit ausgestrecktem Vorderbein. Letztlich beeinträchtigt ein falsch eingestelltes Nackenrohr den Kopfschwung beim Aufstehen.

Das Fazit dieser beiden Veranstaltungen: Die Klauengesundheit zu steigern lohnt sich, um eine der Hauptabgangsursachen zu reduzieren. Entscheidend sind die funktionelle Klauenpflege durch den Fachmann und die konsequente und tiergerechte Behandlung von Krankheitsfällen. Auch bauliche Veränderungen können eine Verbesserung bewirken.

Sofern es die Corona-Lage erlaubt, werden an der LWK Niedersachsen bald auch Präsenzseminare zur praktischen Klauenpflege angeboten.

Autorin: Alexandra Koch, Landwirtschaftskammer Niedersachsen

Gewusst Wie! – Klauengesundheit einfach managen

Online Veranstaltungsreihe des Dienstleistungszentrums ländlicher Raum Eifel

Am 21.01. und 04.02.2021 fanden mit Unterstützung durch die Arbeitsgemeinschaften für Landtechnik und Bauwesen Rheinland-Pfalz/Saar e.V. und den Milchvieh Beratungsring Wittlich-Trier e.V. zwei Online-Seminare des bundesweiten Netzwerks Fokus Tierwohl zum Thema Klauengesundheit am Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Eifel statt.

Den Auftakt der Klauengesundheitsreihe machte Dr. Hans-Peter Klindworth, Fachtierarzt für Rinder aus Vierden, mit dem Thema „Einfluss der Haltung auf die Klauengesundheit“. Er zeigte die größten Schwachstellen, wie z.B. unkomfortable oder falsch dimensionierte Liegeboxen, nasse und verdreckte Laufgänge aber auch fehlende oder unzureichende Maßnahmen bei Hitzestress auf, welche sich negativ auf die Klauen der Rinder auswirken.

Anschließend referierte Thomas Engelhardt vom Zentrum für Tierhaltung und Tierzucht Iden der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau Sachsen-Anhalt, über die häufigsten Fütterungsfehler und deren Auswirkungen auf die Klauengesundheit. Faser-, Struktur- und starker Energiemangel aber auch Stärke- oder Zuckerüberschuss sind nur ein kleiner Teil des weiten Spektrums an möglichen Fütterungsfehlern. Eine gute Grobfutterqualität, bedarfs- und wiederkäuergerechte Versorgung, aber auch die Berücksichtigung und Steuerung der Körperkondition können zur Prophylaxe beitragen.

Im zweiten Teil der Onlineseminarreihe zeigte Dr. Andrea Fiedler anhand vieler Bilder und Videosequenzen, wie man lahme Tiere im Betrieb identifiziert. Hierfür eignet sich vor allem die Beobachtung der Tiere am Fressgitter, auf dem Weg zum Melkstand und im Melkstand selbst. Außerdem gab sie Tipps zur Dokumentation, zu den gängigsten Werkzeugen und der korrekten Durchführung einer funktionellen Klauenpflege. Die genaue Beobachtung aller Tiere, eine regelmäßige Klauenpflege (mindestens zwei Mal pro Jahr) und ein frühzeitiges Erkennen und Behandeln tragen maßgeblich zum Wohl der Tiere bei.

Die Bedeutung dieses Themas wurde durch die große Anzahl an Teilnehmern (je Seminar knapp 150 Teilnehmer) und die regen Fragen in den abschließenden Diskussionsrunden sehr deutlich. Aufgrund der guten Nachfrage und der Wichtigkeit des Themas Klauengesundheit ist im Laufe des Jahres auch ein Praxisteil zur funktionellen Klauenpflege in Planung.

Autorin: Hannah Herres, Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Eifel