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Gummimatten auf Spaltenböden für mehr Liegekomfort in der Kälberhaltung

Die Revision der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung, die Ende Januar 2021 in Kraft getreten ist, bringt einige Änderungen in der Kälberhaltung mit sich. Unter anderem wurde die Haltungsverordnung dahin gehend ergänzt, dass Kälbern im Alter von unter sechs Monaten im Stall nicht nur ein trockener, sondern auch ein „weich oder elastisch verformbarer Liegebereich“ zur Verfügung stehen muss. Die Änderung ist am 08.02.2021 im Bundesgesetzblatt erschienen, es wurde eine Übergangsfrist von drei Jahren für bestehende Ställe am 09.02.2024 eingeräumt. Als weich und verformbar gelten laut Verordnung Einstreu oder Gummibodenbeläge. Betriebe, die ihre Kälber auf Vollspalten ohne gesonderten Liegebereich halten, müssen entsprechend nachrüsten. Um die Übergangsfrist von drei Jahren einhalten zu können, sollten betroffene Betriebe sich frühzeitig Gedanken über die Nachrüstung machen, um geeignete Gummi- oder Kunststoffauflagen für ihren Spaltenboden zu erhalten, da mit einer erhöhten Nachfrage spätestens zum Ende der Übergangsfrist zu rechnen ist.

Im Hinblick auf die Verbesserungsmöglichkeit des Liegekomforts in bestehenden Stallungen mit Vollspaltenböden hat die Landwirtschaftskammer Niedersachsen zwei Webseminare zu dem Thema „Gummimatten auf Spaltenböden für Kälber“ in Kooperation mit dem bundesweiten Netzwerk Fokus Tierwohl angeboten. In der ersten Veranstaltung Ende Januar 2021 informierte Prof. Dr. Heinz Bernhardt (Technische Universität München, Lehrstuhl für Agrarsystemtechnik) über alles, was bei der Verwendung von Gummimatten auf Spaltenböden zu beachten ist. So ging er unter anderem auf die Vor- und Nachteile verschiedener Mattenformen, Schlitzweiten und Materialien ein. So sind bei der Verwendung von Gummibelegen auf Vollspalten beispielsweise Schlitzweiten von höchsten 3cm erlaubt. Hierbei ist es allerdings von Vorteil, wenn der untere Bereich des Spaltenschlitzes weiter ist als der obere, sodass eine Art Abbruchkante entsteht. Eine abgerundete Mattenform kann die Trockenheit des Liegebereichs verbessern, allerdings muss hierbei ein besonderes Augenmerk auf die Rutschsicherheit und die Standfestigkeit gelegt werden, um Deformationen an den Klauen zu vermeiden. Weitere wichtige Aspekte, die vor dem Kauf berücksichtigt werden sollten, sind die Befestigung und Verformbarkeit der Matten, die von der Gewichtsklasse der gehaltenen Tiere abhängig gemacht werden sollte. An der Veranstaltung nahmen über 130 Personen teil.

Anfang Februar gab Henrike Jansen von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen im Rahmen des zweiten Webseminars der Reihe einen Einblick in die rechtlichen Rahmenbedingungen. Anschließend folgten digitale Stallrundgänge in Form eines Filmes, welcher im Vorfeld auf Betrieben verschiedener Produktionsrichtungen rund um die Kälbermast erstellt worden ist. Danach hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, sich online mit vier Landwirten, die bereits Matten in verschiedenen Ausführungen in ihren Ställen verbaut haben, auszutauschen. Das Interesse an dem Thema spiegelte sich auch in der Teilnehmerzahl von über 100 Personen wieder. Das Feedback zur Seminarreihe war durchweg positiv, da die gewonnenen Erkenntnisse als nützlich für die Umsetzung zur Verbesserung des Liegekomforts in bestehenden Systemen bewertet wurden.

Autorin: Alexandra Koch, Landwirtschaftskammer Niedersachsen