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EuroTier digital 2021 - Netzwerk Fokus Tierwohl in den DLG-Spotlights

Impulsbetriebe Tierwohl teilen ihre Praxiserfahrungen mit digitalen Tools in der Milchviehhaltung

Am Freitag, den 12. Februar, ist die erste EuroTier digital erfolgreich zu Ende gegangen. Auf der Digital-Plattform der DLG wählten sich an den vier Veranstaltungstagen über 41.000 Besucher ein. Sie informierten sich über das Angebot von rund 1.200 teilnehmenden Unternehmen, diskutierten in über 300 Fachveranstaltungen und vernetzten sich gezielt mit der Branche.
Die Impulsbetriebe des Netzwerks Fokus Tierwohl waren an der Gestaltung des EuroTier-Fachprogramms aktiv beteiligt. Zum DLG-Spotlight Rind mussten sich am 12. Januar die drei Betriebsleiter aufgrund der frostigen Temperaturen im wahrsten Sinne des Wortes loseisen, um an der Talk-Runde zum Thema „Digitalisierung und Automatisierung in der Milchviehhaltung – gut für´s Tierwohl?“ teilzunehmen. Begrüßt wurden die Teilnehmer und die 530 Zuschauer von Dr. Hans-Joachim Herrmann (Geschäftsstelle Tierwohlkompetenzzentrum Rind beim Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen), Dr. Gudrun Plesch (FiBL) moderierte die Diskussion.

Julia Hewecker, Betriebsleiterin eines Tierschutzlabel-Betriebes mit 250 Milchkühen in Hessen sowie Jasper Metzger-Petersen, Biolandwirt von 500 Kühen in Schleswig-Holstein und Bastian Buschhaus aus NRW, der seine 270 Kühe vom Roboter melken lässt, waren zugeschaltet.

Alle drei betonten die Chancen, die eine automatisierte Erfassung bei der Früherkennung von Krankheiten bietet, zeigten aber auch mögliche Grenzen auf. Zur Brunsterkennung bei Färsen verlässt sich die Betriebsleiterin im Betrieb Hewecker voll und ganz auf die automatisierte Erfassung des Tierverhaltens. Für sie ist eine tierwohlorientierte Tierhaltung auch immer gleichzusetzen mit einer personalintensiven Tierhaltung, daher brachte die Digitalisierung ihr in bestimmten Bereichen keinen Vorteil. So werden die Kälber nun wieder von Hand getränkt, weil das Personal mit der Bedienung des Tränkeautomates nicht zurecht kam.

Bei Jasper Metzger-Petersen läuft bereits die Organisation der täglichen Arbeitsabläufe digital ab, indem die Betriebsmitarbeiter über Messengerdienste Informationen - beispielweise Brunstbeobachtungen - untereinander teilen und vor allem für eine spätere Nachverfolgung speichern.

Auf dem Betrieb Buschhaus hat eine optimierte Nutzung der bei jedem Melkvorgang erfassten Daten aus dem automatischen Melksystem, (zum Beispiel Temperatur, Fett-Eiweiß-Quotient), zu einer Verbesserung bei der Krankheitsprophylaxe und damit des Tierwohls geführt. Ziel auf dem Betrieb ist die Verlängerung der Zwischenkalbezeit und ein selektives Trockenstellen mit der Unterstützung digitaler Daten. Für den Betriebsleiter ist wichtig, dass Routinearbeiten weitgehend durch Roboter erledigt werden, damit er sich auf Managementarbeiten konzentrieren kann.

Mit hoher Fachkompetenz führten die Teilnehmer eine teilweise kontroverse Diskussion und zeigten auf, dass der Erfolg von Automatisierung und Digitalisierung auf dem Betrieb neben Form und Grad auch von der Akzeptanz bei den Anwendern abhängt.

Alle Inhalte der „EuroTier digital“ sind für registrierte Besucher bis zum 15. April 2021 auf der Digital-Plattform verfügbar. Neue Registrierungen sind bis dahin auf der EuroTier Webseite möglich.

EuroTier digital 2021 - Netzwerk Fokus Tierwohl in den DLG-Spotlights

Impulsbetriebe Tierwohl teilen ihre Praxiserfahrungen mit alternativen Abferkelbuchten

Am 12. Februar 2021 endete die erste EuroTier digital. Auf der Plattform der DLG wählten sich an den vier Veranstaltungstagen mehr als  41.000 Teilnehmer ein. Sie informierten sich über das Angebot von rund 1.200 teilnehmenden Unternehmen, diskutierten in über 300 Fachveranstaltungen und vernetzten sich gezielt mit der Branche.

Die Impulsbetriebe des Netzwerks Fokus Tierwohl beteiligten sich aktiv am breitgefächerten Fachprogramm der EuroTier digital. Die „Gestaltung von Abferkelbuchten unter Tierwohlaspekten“ war Thema eines moderierten Gesprächs im Rahmen des DLG-Spotlights Schwein. Die Betriebsleiter drei Sauen haltender Betriebe gaben mit Fotos Einblick in ihre Stallungen und den alltäglichen Arbeitsablauf mit unterschiedlichen Bewegungsbuchten. Unter der Moderation von Dr. Christian Lambertz (FiBL Deutschland e.V.) und Dr. Sabine Schütze (Geschäftsstelle  des Tierwohl-Kompetenzzentrums Schwein bei der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen) fand ein reger Austausch von Erfahrungen vor 470 interessierten Zuschauern statt.

Einer der beteiligten Betriebsleiter war Jan-Hendrik Hohls aus Niedersachsen. Er schilderte in beeindruckender Weise die Entwicklung seines Betriebes sowie die Gestaltung seines Stalles und der Abferkelbuchten. Sein Vortrag gab Impulse neue Dinge auszuprobieren. Seine Erfahrung nach steigen die Ferkelverluste bei Bewegungsbuchten nicht an solange die Sau freies Bewegen kennt, sie ad libitum gefüttert wird und die Ferkel fit sind und beim Ablegen der Sau nicht unter ihr verweilen. Auch Sauen, die zuvor schon im Kastenstand abgeferkelt hatten, kamen später mit den Bewegungsbuchten gut klar.

Der junge Betriebsleiter Lukas Schmidle aus Baden-Württemberg berichtete von guten Erfahrungen, aber auch mancher Herausforderung, die mit dem Konzept der freien Abferkelbuchten einhergehen. Aus seiner Sicht ist die Attraktivität des Ferkelnestes ein wesentlicher Aspekt, um die Ferkel aus dem Aktionsradius der Sau zu halten und so das Risiko des Erdrückt werdens für die Ferkel zu minimieren.

Wilhelm Schulte-Remmert vom Biohof LebensWert in NRW bestätigte die vielen positiven Erfahrungen der konventionell wirtschaftenden Kollegen mit den Alternativen zum Kastenstand. In seinen Abferkelbuchten mit einer Fläche von 14 m2 ferkeln die Sauen frei ab. Die Strukturierung der Bucht schafft klare Bereiche und erlaubt es den Tieren, ihre natürlichen Verhaltensweisen wie den Nestbau auszuleben. Oftmals sind es Kleinigkeiten, die über das Wohl oder Weh entscheiden. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass sich Praktiker austauschen und gegenseitig Tipps geben.

Dass es Überwindung braucht, Dinge neu zu denken und Mut, diese dann auch umzusetzen, wurde deutlich. Die hohe Zufriedenheit der Betriebsleiter durch ein Mehr an Tierwohl für Sau und Ferkel konnte von allen bestätigt werden. Keiner der drei Berufskollegen möchte einen Schritt zurück in das alte System machen. Interaktiv konnten die Fragen der zahlreichen Zuseher eingebunden werden und ermöglichten eine intensive Diskussion.

Alle Inhalte der „EuroTier digital“ sind für registrierte Besucher bis zum 15. April 2021 auf der Digital-Plattform verfügbar. Neue Registrierungen sind bis dahin auf der EuroTier Webseite möglich.

Schweinehalter Christoph Becker nimmt 200 Teilnehmer online mit in seinen Stall

Veranstaltung der Landwirtschaftskammer NRW zum Thema Stallklimamanagement und Buchtenstrukturierung im Rahmen des Netzwerks Fokus Tierwohl stößt auf großes Interesse

Wilfried Brede vom Seviceteam Alsfeld berichtet in der Veranstaltung vom Netzwerk Fokus Tierwohl über die Ziele bei der Stallklimatisierung. Er referiert darüber, wie ein Zwangsbelüftungssystem optimal aufgebaut werden sollte und welche Möglichkeiten es gibt, große Temperaturdifferenzen im Stall zu vermeiden. Zusätzlich spricht er über einen Kühlturm an einem Maststall, der die Stallluft um bis zu 12 °C an warmen Sommertagen reduziert. Wichtig sei, dass sowohl die Tierleistung, die Tiergesundheit und das Tierwohl als auch ein „gesunder“ Arbeitsplatz im Vordergrund stehe, so Brede. Moderatorin Viola Erfkämper schaltet nach dem Vortrag von Herrn Brede live in den Stall von Christoph Becker.

Christoph Becker aus Wietzendorf bewirtschaftet einen landwirtschaftlichen Betrieb mit Ackerbau, Forst, Biogasanlage und 1.000 Schweinemastplätzen. Durch einen Strohauslauf haben bei ihm die Tiere 0,5 m2 mehr Fläche zur Verfügung. 2003 baute er einen Außenklimastall. Seitdem arbeitet er intensiv an dem Thema Buchtenstruktur. Seine Tiere vermarktet Becker über ein Schlachtunternehmen, welches die Schweine maskenfrei bezahlt.

„Ich entwickelte eigene Stallsysteme, die ich nachher live zeigen möchte“.

Christoph Becker startet seinen Vortrag mit dem Statement: „Man kann viele Veränderungen im Stall vornehmen, wenn eine funktionierende Buchtenstruktur vorliegt“. Seiner Meinung nach könne man dem Tier sehr viele Entscheidungen überlassen und bräuchte von außen nichts zu steuern. „Wenn das Tier die Möglichkeit hat, die eigenen Bereiche aufzusuchen, dann macht es das auch. Für mich ist die Zugluft kein Problem. Sie ist ein klares Strukturelement. Das kann es aber auch nur sein, wenn man einen Bereich erschafft, in den die Tiere problemlos ausweichen können“.

 „Die Tiere sind zwar unheimlich empfindlich was Zugluft anbelangt, aber das gibt mir die Chance es als Strukturierungselement zu nutzen“. Er weist auch darauf hin, dass eine Bucht mindestens 20 – 25 m2 groß sein muss, um eine vernünftige Buchtenstrukturierung zu schaffen. Anhand von Skizzen eines üblichen Standardstalls erklärte er die Frischluftversorgung der Abteile. Dabei erläutert er, dass es für eine Buchtenstrukturierung eine klare Luftführung geben muss. „Frischluft kommt normal über den Futtergang und fällt über die Buchtentrennwände in das Abteil“. Becker baute anfänglich Stichwände parallel zum Futtergang in seine Abteile, um den Schweinen die Möglichkeit zu geben, vor der Zugluft auszuweichen. So gestaltete sich ein Fress-, Aktivitäts- und ein Liegebereich. Zusätzlich baute er Strohautomaten und Sichtgitter ein, um einen definierten Kotbereich zu schaffen. „Meine Umbaumaßnahmen waren bis hierher spürbar besser, aber es war noch nicht optimal. Also musste wieder was geändert werden“. Becker entschloss sich, die Sichtgitter zu entnehmen, um somit eine große Bucht mit 45 Tieren zu schaffen. Stroh- und Futterautomat wurden im hinteren Liegebereich installiert.

Becker erklärt anhand des Bildes: “Hier kann man schön sehen, dass die beiden Gänge für die Tiere frei sind, es ist wie eine Art Laufgang. Die Tiere liegen in den Fress-Liegebuchten, egal ob im Sommer oder Winter. Die Schweine können selber eine Strukturierung vornehmen, nur deswegen funktioniert dieses System.“ Becker heizt seit fünf Jahren seinen Maststall nicht mehr. Aus Erfahrungen des Außenklimastalles fährt er teilweise seine inneren Ställe mit Temperaturen von 8 °C. Der Schweinehalter habe keine Probleme mit Husten oder ähnlichen Krankheiten, sodass kein Antibiotikum eingesetzt werden muss.

Beckers Zwischenfazit lautet: „Zugluft ist nicht generell schlecht, sondern nur wenn die Schweine ihr nicht ausweichen können. Zugluft bzw. Luftführung ist DAS Gestaltungselement im Stall“.

Becker geht weiter auf das zweite Gestaltungselement, dem Futterangebot, ein. Die Tiere mögen es, wenn der Futterautomat nahe am Liegebereich angebracht ist. Viele Berufskollegen seien der Meinung, dass an dem Liegeplatz keine Unruhe sein sollte. Becker sieht das anders. Der Schweinehalter ergänzt, dass das Schwein ein tageszyklisches Tier ist. Es wird zusammen geschlafen und zusammen gefressen. Zudem sieht er einen zusätzlichen Nutzen darin, dass eine relativ saubere Zone um den Futterbereich entsteht. „Es ist eine gute Kombination, den Futter- mit dem Liegebereich zu verknüpfen. Liege-, Fress-, und Aktivitätsbereich kann man meiner Meinung nach komplett zusammenlegen, das regelt das Schwein schon von alleine.“ Wichtig dabei sei es, den Kotbereich zu trennen.

Als letztes Element in der Buchtenstrukturierung erklärt Becker das Licht. Sofern zulässig und möglich solle der Fress- und Liegebereich abgedunkelt und der Kotbereich komplett aufgehellt werden. Im Kotbereich leuchtet in Beckers Stall 24 Stunden eine LED-Lampe, wohingegen die Lichtröhre für den Liege- und Fressbereich mittels Brett verdeckt ist. Dies geht aber nur, sofern rechtliche und bauliche Auflagen erfüllt werden. Becker schildert kurz Fehlbauten die sich weniger gut in seinem Stallsystem etabliert haben. Hierzu zählte der Strohautomat in einer Buchtentrennwand. „Die Tiere haben diesen regelrecht zugekotet“. Zusätzlich ließ er Spalten mit Wellenform anfertigen, um zu vermeiden, dass die Tiere sich dort ablegen. „Die Bodenstruktur so zu verändern, dass die Tiere es nicht mögen hat nicht funktioniert“. Während Becker in der Online-Veranstaltung den Ort vom Büro in den Stall wechselt, beantwortet er Fragen der Teilnehmer.

Im Stall angelangt zeigt Becker zuerst den Kotbereich und geht darauffolgend auf die Vorhänge zwischen Außen- und Innenbereich ein. Hierzu benutzt er nebeneinander angeordnete Förderbänder, durch die die Schweine gut hindurchlaufen können. „Wir haben uns bewusst gegen Türen entschieden. Erstens aus Kostengründen und zweitens wegen den Geräuschen, die beim Öffnen und Schließen entstehen. Natürlich entsteht hier ein bisschen Falschluft, zusätzlich besteht noch die Möglichkeit, von innen einen zusätzlichen Vorhang zu montieren“. Becker zeigt den Außenbereich der Schweine. Mindestens 50 % der Tiere lägen dort, wenn frisch eingestreut sei. Je nach Größe der Tiere mistet Becker seine Ställe wöchentlich einmal aus. 

Beckers Grundgedanke ist, dass man den Schweinen viele Entscheidungen selber überlassen kann. Das Schwein wisse selber, wann es ihm zu warm oder zu kalt sei. Also war Beckers Ansatz, dass das Tier selbst entscheiden kann, wann es sich abkühlen will. Das Tier kann durch das Betätigen des Schweinebuzzers die Dusche anschalten. „Zusätzlich habe ich einen Buzzer für das Trinken angebracht, der in einem Jahr 80.000 Mal betätigt wurde. Die Dusche hingegen nur 4.000 Mal“. Becker zeigt live auch das riesige Loch in der Wand. Entscheidend ist hierbei für die Tiere eine zugluftfreie Zone zu schaffen. Dabei geht er nochmal auf die Anordnung der Buchtenwände ein. Des Weiteren zeigt der Schweinehalter direkt aus seinem Stall ein System zur Fußbodenheizung und Kühlung. Nach der Anfangsphase in der Mast gehe es häufig nur noch um das Kühlen bei Schweinen. Diese fangen an, sich ab 15 °C zu suhlen. Ein Indiz dafür, dass es den Tieren schon ab dieser Temperatur zu warm sei. Christoph Becker beendet vorerst den Stallrundgang und beantwortet Fragen aus dem Chat.

Autorin: Viola Erfkämper (Tierwohlmultiplikatorin, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen)

Mehr Tierwohl bei Masthühnern durch Schlupf im Stall

Fokus Tierwohl-Veranstaltung der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen zum Thema Masthühnerschlupf im Stall stößt auf großes Interesse

Die Phase der Kükenaufzucht ist von besonderer Bedeutung. Stress in den ersten Lebenstagen, beispielsweise durch den Transport von der Brüterei zum Betrieb, kann Krankheiten auslösen. Der Masthühnerschlupf im Stall bietet eine Möglichkeit, verschiedene Stressfaktoren für die Küken zu minimieren. Direkt nach dem Schlupf haben die Küken Wasser, Futter und Licht zur Verfügung. Dadurch profitiert die Darmgesundheit. Die Tiere sind ruhiger und auch die Fußballengesundheit steigt. Durch den Schlupf im Stall kann also das Tierwohl gesteigert und zugleich das Krankheitsrisiko minimiert werden.

Eine Online-Vortragsveranstaltung der Landwirtschaftskammer NRW im Rahmen des Netzwerks Fokus Tierwohl mit über 140 Teilnehmern zeigte, dass sehr großes Interesse an dem System besteht. Dieses steckt in Deutschland derzeit noch in den Kinderschuhen. Zunächst berichtete Dr. Sophia Schulze-Geisthövel von der Landwirtschaftskammer NRW über die Ergebnisse zweier Versuche im VBZL Haus Düsse. Im Anschluss stellte Anton de Jong von der Brüterei Heijmer das System Nestborn vor, mit dem im letzten Jahr mehr als 100 Mio. Küken bei Landwirten im Stall schlüpften. Abschließend berichtete Martin Otten, Hähnchenmäster aus Emsbüren, über seine praktischen Erfahrungen zum Schlupf in seinem Stall.   

Die Veranstaltung wurde von den Teilnehmern sehr positiv bewertet. Vor allem der Praxisbezug und der rege Austausch fanden großen Anklang.

Autorin: Viola Erfkämper (Tierwohlmultiplikatorin, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen)

Aufstallpflicht bleibt Herausforderung

LWK Niedersachsen informiert über erforderliche Maßnahmen zur Aufrechterhaltung des Tierwohls während der Aufstallungspflicht

Das hochpathogene Gefügelpestvirus wurde seit Anfang November vermehrt vor allem in Norddeutschland nachgewiesen. Aufstallgebote sind die Folge. Ein Webseminar der LWK Niedersachen gab Tipps zum Umgang im Mobilstall.

Die Aufstallpflicht für Geflügel ist in mehreren Bundesländern bzw. Landkreisen verhängt worden. Damit soll das Risiko eines Geflügelpest-Eintrags in Nutzgeflügelbestände verringert werden. Die Aufstallpflicht stellt nicht nur große Betriebe, sondern auch Mobilstall- und Hobbygeflügelhalter vor Herausforderungen. Die LWK Niedersachsen hat zur Unterstützung der Geflügelhalter zwei Webseminare zum Thema durchgeführt. Sie fanden im Rahmen des Projektes „Netzwerk Fokus Tierwohl“ statt und richteten sich vornehmlich an Geflügelhalter mit Mobilställen oder Hobbyhaltungen. Es nahmen jeweils mehr als 60 Personen teil.

Rechtliche Regelungen

Beim Webseminar gab Marek Milewski von der Task Force Veterinärwesen beim Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, LAVES, einen Überblick über den aktuellen Stand der Verbreitung der Geflügelpest in Norddeutschland. Zudem sprach er rechtliche Rahmenbedingungen im Seuchenfall an und erläuterte die unterschiedlichen Regelungen für Sperr- und Beobachtungsgebiete. Fragen der Teilnehmer machten deren Sorgen deutlich. So gelten im Sperrbezirk Verbringungsverbote etwa für Futter. Milewski beruhigte: „Das Futter darf noch in den Sperrbezirk hineingebracht werden, aber nicht mehr heraus. Die Versorgung der Tiere ist sichergestellt.“ Zur möglichen Dauer einer Aufstallungspflicht gibt es keine festen Zahlen. Sie richtet sich regional nach dem aktuellen Seuchengeschehen und dem Vogelzuggeschehen. Laut dem LAVES-Mitarbeiter gibt es zwar einen Impfstoff gegen die Geflügelpest, dieser darf aber in Deutschland aufgrund von EU-Regelungen nicht verwendet werden.

Als zweite Referentin widmete sich Christina Schulte den Managementmaßnahmen zur Aufrechterhaltung des Tierwohls während der Aufstallungspflicht. Die Beraterin für Geflügelhaltung bei der LWK Niedersachsen verdeutlichte, dass Hühner Gewohnheitstiere sind und der tägliche Auslauf fest in ihrer inneren Uhr verankert ist. Fällt dieser weg, führt das unweigerlich zu Stress. Dennoch gibt es vielfältige Möglichkeiten, diesen Stress zu reduzieren.

Beschäftigung ist A und O

Wichtige Faktoren sind laut Schulte eine lockere und trockene Einstreu und das Angebot von mindestens drei verschiedenen, manipulierbaren Beschäftigungsmaterialien. Zusätzlich kann für die Tiere vor dem Stall ein Scharrbereich eingerichtet werden, der für Wildvögel selbstverständlich nicht zugänglich sein darf. Hennen sammeln sich in den Zeiten, in denen sie gewöhnlich den Stall verlassen, an den geschlossenen Luken. Hier können schräggestellte Bretter Abhilfe schaffen, um ein Erdrücken einzelner Tiere zu verhindern. Schulte gab zudem Tipps zur Futterqualität, Belüftung und weitere Hygienemaßnahmen im Mobilstall.

Die Webseminare wurden von den Teilnehmern positiv bewertet. Auch künftig wird die LWK zusammen mit dem Projekt „Netzwerk Fokus Tierwohl“ Veranstaltungen zu aktuellen Fragen der Rinder-, Schweine- und Geflügelhaltung anbieten.

© Land & Forst, 50/2020