Skip to main content

Hygiene im Geflügelbetrieb - worauf sollte ich achten?

Online Seminar der Landwirtschaftskammer Niedersachsen

Das Thema Hygiene steht besonders in Zeiten des momentanen Aviären Influenza (AI) Ausbruchgeschehens im Fokus der Geflügelhalter. Hygiene sollte jedoch auch abgesehen von der Geflügelpest nie aus den Augen verloren werden. Dies wurde im Webseminar „Hygiene im Geflügelbetrieb managen und optimieren“ am 04.03.2021, das im Rahmen des bundesweiten Netzwerkes Fokus Tierwohl von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen angeboten wurde, deutlich. Mit ihrem Vortrag „Vorsorge ist besser als Räumen – strukturiertes Hygienemanagement im Geflügelbetrieb umsetzen“ zeigte Frau Dr. Barbara Grabkowsky (Universität Vechta) auf, worauf zu achten ist, um das Risiko eines Erregereintrags zu minimieren. Sie wies darauf hin, dass der Eintrag von Krankheitserregern nicht nur negative Auswirkungen auf die Tiere hat, sondern auch die finanziellen Verluste durch einen Krankheitsausbruch immens sein können. Laut der Wissenschaftlerin müssen die Tiere bei Kontakt mit Erregern einen Großteil ihrer Energie in deren Abwehr stecken und können diese somit nicht für Wachstum und Leistung nutzen.

Hygieneschleusen

Nach einer kurzen Einführung wurde unter den 260 Teilnehmenden zunächst eine Umfrage zum Thema Hygieneschleuse durchgeführt. In dieser Umfrage gaben 57 % der Teilnehmer an, dass sich die Hygieneschleuse in einem top Zustand befände und ständig genutzt werde. Bei 41 % bestünde Optimierungsbedarf und 2 % gaben an, gar keine Hygieneschleuse zu haben. Diese Ergebnisse nahm Frau Dr. Grabkowsky zum Anlass, um noch einmal hervorzuheben, dass etwa 90 % der Geflügelkrankheiten über Personen eingetragen werden.

Außerdem erklärte die Hygieneexpertin anhand von Beispielen, wie schon durch kleine Veränderungen die Hygiene im Geflügelbetrieb gesteigert werden kann. So könne ein Brett am Boden, welches beim Betreten des Stalls überstiegen werden muss, beispielsweise dazu dienen, an den Schuhwechsel zu erinnern.

Strukturierter Biosicherheitsplan

Als Bausteine für einen strukturierten Biosicherheitsplan hob Frau Dr. Grabkowsky besonders folgende Punkte hervor:

  • Ein gut strukturierter Biosicherheitsplan sollte nicht nur eine Hygieneschleuse beinhalten, sondern auch eine Abschirmung des Betriebes, z.B. durch einen Zaun
  • Die Falltierlagerung, der Vorfang sowie Ein- und Ausstallung müssen gut durchdacht sein, damit auch hier so wenig Erreger wie möglich in den Bestand getragen werden

Dieser Biosicherheitsplan sollte IMMER beachtet werden.

AI-Risikoampel

Zum Abschluss stellte die Expertin die AI-Risikoampel vor, ein anonymes und kostenfreies Online-Tool, das die Betriebe bei der Selbsteinschätzung unterstützt. Ziel dieser Anwendung ist es, durch einen Fragebogen (Multiple Choice) das Eintragungsrisiko von Geflügelpest in den eigenen Betrieb einzuschätzen. Als Ergebnis wird eine Übersicht mit Ampelfarben angezeigt. Zusätzlich erhält der Tierhalter eine Optimierungsanalyse, sowie eine To-Do-Checkliste für seinen Betrieb.

www.risikoampel.uni-vechta.de

Nach dem Vortrag von Frau Dr. Grabkowsky ergriff der Landwirt und Unternehmer Stefan Teepker das Wort. Er stellte die gut durchdachte Hygieneschleuse seines Masthühnerbetriebes vor. Zu Beginn des Vortrages erklärte der Landwirt, dass er seine Hygieneschleuse nicht als Schwarz-Weiß-Trennung sehe, sondern eher in Schwarz-Dunkelgrau-Hellgrau-Weiß einteile.

Sein Hygienekonzept erklärte er anhand von Fotos. Zum Konzept gehören eine Umzäunung des gesamten Betriebs sowie eine zusätzliche innere Umzäunung der Ställe. Wascheinheiten für LKW`s befinden sich auf dem Vorplatz zwischen äußerem und innerem Zaun. Der Abtransport von Falltieren aus der Kadaverlagerung erfolgt durch ein separates Tor im äußeren Zaun, so dass hierzu das Betriebsgelände nicht befahren werden muss.

Um in den Stall zu gelangen muss jede Person die Hygieneschleuse passieren. In dieser erinnert ein waagerecht aufgehängter Besenstiel daran, zu duschen und die Kleidung zu wechseln, bevor der Innenhof zu den acht Ställen des Betriebes betreten werden kann. Für Fangpersonal steht bei Stefan Teepker betriebseigene Kleidung in verschiedenen Größen bereit, um auch hier einen Eintrag zu verhindern. Beim Betreten des Vorraums eines Stalles werden die Schuhe ausgezogen, denn für den Stallrundgang stehen extra Stiefel in der Türschwelle der Stalltür bereit. Durch diese Maßnahmen wird eine Übertragung von Stall zu Stall effektiv unterbunden.

An jedem Stallgebäude ist ein großes Rohr in die Stallwand eingebaut. Dies ermöglicht es dem Landwirt und seinen Mitarbeitern, verendete Tiere aus dem Stall zu entfernen ohne den Vorraum mit den toten Tierkörpern zu durchqueren.

Auch an seinen zwei weiteren Standorten setzt der Landwirt auf ein gut durchdachtes Hygienekonzept. So wurden Container zur Hygieneschleuse umgebaut. In diesen befinden sich Dusche, WC, Umkleide- und Aufenthaltsraum. Ein solcher Container könne von jedem Betrieb als Hygieneschleuse genutzt werden, so der Landwirt.

Zusammenfassend sollte die Hygiene in Geflügelbetrieben in Hinblick auf die Tiergesundheit nicht nur in Zeiten einer vermehrt Auftretenden AI eine große Rolle spielen. Durch viele Beispiele veranschaulichten beide Referenten, dass schon mit Hilfe von einfachen Maßnahmen ein gutes Konzept erstellt und umgesetzt werden kann. Jedoch müsse dieses immer eingehalten und somit gelebt werden, um einen Erregereintrag zu vermeiden und den Tierbestand vor Krankheitseinschleppungen zu schützen.

Autorin: Regine Revermann, Landwirtschaftskammer Niedersachsen