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Erhöhte Ebenen – Aufbaummöglichkeit und Rückzugsort in einem

Fachvideo zum Thema Erhöhte Ebenen in der Hühnermast

Bereits zur EuroTier digital organisierte und moderierte die Geschäftsstelle des Tierwohl-Kompetenzzentrums Geflügel mit Sitz an der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen eine Diskussionsrunde zum Thema „Erhöhte Sitzebenen für Masthühner“. Vier Fachexperten, Dr. Julia Malchow vom FLI, Stefan Teepker, Hühnermäster und Geschäftsführer der sprunGTische GmbH, Felix Wesjohann von der Brüterei Weser-Ems und Silke Schierhold, Geflügelfachberaterin an der LWK Niedersachsen, stellten die Vorteile einer strukturierten Haltungsumgebung für die Masthühner heraus. Erhöhte Ebenen bieten den Tieren die Möglichkeit dem arteigenem Verhalten entsprechend aufzubaumen und sich bei Bedarf auch zurückzuziehen – sowohl auf die Ebenen als auch darunter. Lichtzonen lassen sich tages- und jahreszeitabhängig damit ebenfalls realisieren.

Die Möglichkeit, über die Initiative Tierwohl (ITW) die eingestreuten erhöhten Ebenen als Nutzfläche anerkannt zu bekommen und diese auch ökonomisch vertretbar einsetzen zu können, hat dem Einsatz erhöhter Ebenen Aufwind verschafft.

Auch für die ökologische Tierhaltung hat das Thema zunehmend an Bedeutung gewonnen. So müssen Masthühnern ab dem 01.01.2024 Möglichkeiten zum Aufbaumen in Form von Sitzstangen oder aber auch als erhöhte Sitzebenen angeboten werden. 

Die Entwicklung schreitet entsprechend voran, wobei auch die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien einfließen. Aktuell finden Versuche beispielsweise zum Einsatz unterschiedlicher Materialien für die erhöhten Ebenen und zum Einsatz von unter den Ebenen liegenden Kotbändern im Rahmen von Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) Tierschutz statt.

Ergänzend zu diesem ersten thematischen Aufschlag zur EuroTier digital produzierte das Netzwerk Fokus Tierwohl nun auch ein Fachvideo zum Thema „Erhöhte Ebenen in der Hühnermast“. Es ist geplant, das Video entsprechend der fortschreitenden Erkenntnisse und Erfahrungen in den MuD-Vorhaben nach und nach zu erweitern und damit auch neue Informationen den geflügelhaltenden Betrieben kurzfristig zur Verfügung zu stellen.

Erhöhte Sitzmöglichkeiten für Masthühner in der Diskussion

Nachlese EuroTier digital: Das Netzwerk Fokus Tierwohl organisierte Diskussionsrunde zu erhöhten Sitzebenen für Masthühner.

Anreicherung der Haltungsumgebung für mehr Tierwohl

Möglichkeiten zur Anreicherung der Haltungsumgebung nehmen in der Diskussion um mehr Tierwohl bei Geflügel eine zentrale Rolle ein. Bei Mastgeflügel bieten sich dafür Elemente wie beispielsweise erhöhte Ebenen an, die den Tieren ein dem arteigenen Verhalten angemessenes Ruhen in erhöhter Position ermöglichen und gleichzeitig als Rückzugsort dienen können. Eine hochkarätig besetzte Diskussionsrunde mit Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft, Beratung und Praxis beschäftigte sich im Rahmen des EuroTier-Fachprogramms mit dem Thema „Erhöhte Sitzmöglichkeiten für Masthühner – wie setze ich es um?“. Moderiert wurde die Session von Katja Kulke, Geschäftsstelle des Tierwohl-Kompetenzzentrums Geflügel an der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

Dr. Julia Malchow vom Institut für Tierschutz und Tierhaltung des Friedrich-Löffler-Institutes (FLI) gab zunächst einen kurzen Einblick in die Fragestellungen, die sie momentan im Rahmen des Healthy Livestock Projektes (Reduzierung des Antibiotikaeinsatzes bei Masthühnern und Mastschweinen, durch Verbesserung von Tiergesundheit und Wohlbefinden, ohne Produktivitätseinbußen) bearbeitet. Ziel ist zum einem die Widerstandsfähigkeit der Tiere durch Steigerung des Wohlbefindens zu verbessern und zum anderen die Etablierung eines automatischen Früherkennungssystems. Hier kommen erhöhte Ebenen mit integriertem Wiegesystem zum Einsatz, um Gewichtsdifferenzen zu erfassen. Weitere Untersuchungen beziehen sich auf verschiedene Oberflächenmaterialien (Aluminiumplatten, perforierte Gitterroste und Gussroste) und die Höhe der Ebenen.

Erhöhte Ebenen in der Praxis

In den Ställen von Stefan Teepker, Hühnermäster und Geschäftsführer bei SprunGTisch.de, finden aktuell unter anderem die beschriebenen Untersuchungen des FLI's statt. Teepker stieß vor etwa vier Jahren im Zusammenhang mit Beschäftigung, aber auch Strukturierung seiner Ställe auf die erhöhten Ebenen. Zunächst war die Überlegung, mit Strohballen für Beschäftigung zu sorgen. Dem stand jedoch das Risiko der Einschleppung von Krankheitserregern und der hohe Arbeitseinsatz entgegen. Ausschlaggebend für die Wahl von erhöhten Ebenen war dann letztendlich die Möglichkeit, über die Initiative Tierwohl (ITW) die erhöhten Ebenen als Nutzungsfläche anrechnen zu lassen und diese wirtschaftlich einzusetzen. Damit fing die Phase des Testens und Entwickelns an, was vor ca. 2 ½ Jahren zur Gründung einer eigenen Firma mit Produktion und Vertrieb führte. In die weitere Entwicklung flossen bzw. fließen neben der Zusammenarbeit mit dem FLI auch weitere Ergebnisse aus Bachelor- und Masterarbeiten sowie praktischer Arbeiten von Fachschülern auf dem Betrieb ein. 

Felix Wesjohann, Geschäftsführer Brüterei Weser-Ems, startete vor sieben Jahren mit einem Stalleinrichter die ersten Versuche zu erhöhten Ebenen. Schnell kamen sie zu der Erkenntnis, dass der Entwicklungsweg „vom Tierhalter für den Tierhalter“ ein sehr guter ist.

Der vierte Gast in der Diskussionsrunde war Silke Schierhold, Geflügelfachberaterin bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Sie kam im Zusammenhang mit dem 2011 ins Leben gerufenen Niedersächsischen Tierschutzplan zum Thema erhöhte Ebenen. Sie untersuchte diese in einem Feldversuch mit zwei LandwirtInnen im Zusammenhang mit dem Angebot von Beschäftigungsmaterial und Rückzugsmöglichkeiten für die Masthühner.

Auf die Frage nach den wichtigsten Aspekten aus Sicht der Masthühner für die erhöhten Ebenen, antwortete Dr. Julia Malchow: „Dass sie aufbaumen können und zusätzliche Ruhemöglichkeiten haben.“ Aus der Erfahrung heraus lautete ihre Empfehlung, den Tieren gleich in der ersten Woche den Zugang zu den erhöhten Ebenen zu ermöglichen, um die Annahme der Ebenen zu fördern. Zum allgegenwärtigen Thema der Fußballengesundheit konnte sie bei der Nutzung erhöhter Ebene keine Unterschiede feststellen. „Letztendlich handelt es sich bei Fußballenveränderungen um ein multifaktorielles Geschehen, bei dem das gesamte Stallmanagement im Blick behalten werden muss“.

Stallaufbau gewinnt durch erhöhte Ebenen an Struktur

Im Allgemeinen gewinnt durch den Einsatz von erhöhten Ebenen bei optimaler Positionierung und Installation der gesamte Stallaufbau an Struktur. Dabei können Rückzugsmöglichkeiten zum Ausleben des arteigenen Ruheverhaltens des Mastgeflügels entstehen.

Daten zur Nutzungsintensität der erhöhten Ebenen, insbesondere auch vergleichend zwischen Hell- und Dunkelphase, sind aktuell noch in der Auswertung des FLI. Weiterhin wird ausgewertet, wie stark die Flächen unter den erhöhten Ebenen genutzt werden.

 

Erhöhte Sitzmöglichkeiten für Masthühner in der Diskussion